Internationale Auszeichnung für einen Pionier der erneuerbaren Energien - Festveranstaltung in Bad Kissingen verbindet persönliche Erinnerungen, weltweite Erfolge und aktuelle Herausforderungen der Energiewende
Bad Kissingen, 18. Oktober 2026. Ein internationaler Wissenschaftspreis für einen Vordenker aus der Region: Mehr als 100 Gäste kamen auf Einladung des Kreisverbandes von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN am Montagabend im Grünen Saal in Bad Kissingen zusammen, um Hans-Josef Fell anlässlich seiner Auszeichnung mit dem renommierten „Mani L. Bhaumik Breakthrough of the Year Award“ zu ehren. Unter den Anwesenden waren zahlreiche langjährige Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, die Fell bei seinem jahrzehntelangen Einsatz für erneuerbare Energien begleitet haben.
Internationale Anerkennung für einen Pionier der Energiewende
Die Auszeichnung wurde Hans-Josef Fell von der American Association for the Advancement of Science (AAAS) verliehen. Die AAAS ist eine der weltweit größten und bedeutendsten Wissenschaftsorganisationen und unter anderem Herausgeberin der international renommierten Fachzeitschrift Science. Mit dem nach dem Physiker Mani L. Bhaumik benannten Preis würdigt sie herausragende Beiträge zu wissenschaftlichen und technologischen Durchbrüchen.
Fell erhielt die Auszeichnung gemeinsam mit Charlie Gay aus den USA und Li Junfeng aus China für ihre Verdienste um den weltweiten industriellen Durchbruch der erneuerbaren Energien. Als Mitinitiator und maßgeblicher Verfasser des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) hat der ehemalige Bundestagsabgeordnete aus Hammelburg entscheidend dazu beigetragen, die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für den weltweiten Ausbau der Solar- und Windenergie zu schaffen.
An der eigentlichen Preisverleihung in den USA konnte Fell allerdings nicht persönlich teilnehmen. Die für seine Einreise erforderliche Genehmigung erhielt er nicht zu für ihn akzeptablen Bedingungen, sodass er lediglich per Video zugeschaltet werden konnte.
Persönliche Erinnerungen und regionale Wurzeln
Wie eng Fells internationales Wirken mit seiner Heimat verbunden ist, wurde in den Grußworten des Abends deutlich.
Für den Landkreis Bad Kissingen sprach der stellvertrende Landrat Roland Limpert, der insbesondere auf die Bedeutung der Energiewende für die regionale Entwicklung einging. Er stellte damit den Bezug zwischen Fells jahrzehntelangem Engagement und den wirtschaftlichen und energiepolitischen Herausforderungen des Landkreises her.
Klaus Werner, der das Grußwort für die Stadt Bad Kissingen überbrachte, erinnerte mit einer persönlichen Anekdote an die Gründung der ersten Bürgersolargesellschaft in Bad Kissingen. Seine Erinnerungen ließen eine Zeit lebendig werden, in der gemeinschaftliche Investitionen in Solarenergie noch keineswegs selbstverständlich waren.
Für die Stadt Hammelburg sprach der zweite Bürgermeister Joachim Hockgeiger. Er blickte auf seine persönlichen Berührungspunkte mit Hans-Josef Fell zurück und erinnerte an Begegnungen und gemeinsame Erfahrungen. Gerade in Hammelburg liegen wichtige Wurzeln von Fells Engagement, das später weit über die Region hinaus Wirkung entfalten sollte.
Manuela Rottmann würdigt Weitsicht, Hartnäckigkeit und politischen Gestaltungswillen
In ihrer eindrucksvollen Laudatio zeichnete Manuela Rottmann das Lebenswerk von Hans-Josef Fell nach. Sie hob insbesondere seine außergewöhnliche Weitsicht und Hartnäckigkeit hervor. Fell habe früh erkannt, welches Potenzial in den erneuerbaren Energien steckt – zu einer Zeit, als viele diese Technologien noch als unrealistisch oder wirtschaftlich unbedeutend betrachteten.
Seine besondere Leistung bestehe jedoch nicht allein darin, Entwicklungen frühzeitig vorausgesehen zu haben. Rottmann würdigte vor allem Fells Fähigkeit, ökologische Notwendigkeiten mit wirtschaftlichen Überlegungen, technischer Machbarkeit und den dahinterliegenden politischen Machtfragen zusammenzudenken. Er habe sich nie damit begnügt, auf Umweltprobleme aufmerksam zu machen, sondern stets nach konkreten Wegen gesucht, wie sich Lösungen auch gegen Widerstände verwirklichen lassen.
Gerade diese Verbindung aus Überzeugung, Sachkenntnis und politischer Beharrlichkeit habe seinen Beitrag zur Energiewende geprägt und weit über Deutschland hinaus wirksam werden lassen.
Von den ersten Solaranlagen zum weltweiten Durchbruch
Wie weit Fells Weitsicht zurückreicht, zeigte sich eindrucksvoll in seinem anschließenden Vortrag. Anhand eigener Präsentationsfolien aus den 1980er-Jahren nahm er die Gäste mit auf eine Reise durch mehr als vier Jahrzehnte Engagement für die Energiewende.
Schon damals hatte Fell die Abhängigkeit von fossilen und atomaren Energieträgern als eine wesentliche Ursache globaler Umweltprobleme, internationaler Konflikte und sozialer Ungerechtigkeit identifiziert. Seine Antwort darauf war bereits zu dieser Zeit eine dezentrale Energieversorgung durch Sonne, Wind und andere erneuerbare Energiequellen.
Besonders anschaulich wurde der Rückblick bei den Anfängen der Solarenergie in Hammelburg. Fell erinnerte an die Gründung der Hammelburger Solarstromgesellschaft im Jahr 1994 und die zahlreichen technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Hürden, die damals überwunden werden mussten. Neben den Solaranlagen selbst entstanden völlig neue Vertragsmodelle und Vergütungsregelungen. Aus solchen kommunalen Pionierprojekten entwickelten sich wesentliche Grundlagen für das EEG, das der Bundestag im Jahr 2000 verabschiedete.
Als einen der größten Erfolge dieser Entwicklung bezeichnete Fell den dramatischen Rückgang der Kosten für Solar- und Windenergie. Während Solarstrom zur Jahrtausendwende noch ein Vielfaches der heutigen Kosten verursachte, gehört er inzwischen zu den günstigsten Formen der Stromerzeugung. Damit wurde aus einer zunächst belächelten Zukunftstechnologie ein weltweit bedeutender Wirtschaftszweig.
Die Energiewende ist eine Frage des politischen Willens
Doch Fell beließ es nicht beim Rückblick. Mit deutlichen Worten kritisierte er politische Entscheidungen, die den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland aus seiner Sicht immer wieder ausgebremst haben. Dabei verwies er sowohl auf frühere Änderungen am EEG als auch auf aktuelle energiepolitische Vorhaben der Bundesregierung.
Die technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine vollständige Versorgung mit erneuerbaren Energien seien längst vorhanden. Entscheidend sei der politische Wille, die notwendigen Veränderungen konsequent umzusetzen. Neben dem weiteren Ausbau von Solar- und Windenergie komme es dabei insbesondere auf Batteriespeicher, intelligente Stromnetze und die Flexibilisierung des Energieverbrauchs an.
Fell betonte zudem, dass die Energiewende weit über den Klimaschutz hinausreiche. Die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern mache Volkswirtschaften anfällig für internationale Krisen, steigende Energiepreise und geopolitische Konflikte. Eine dezentrale Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen könne dagegen Versorgungssicherheit, wirtschaftliche Unabhängigkeit und Frieden fördern.
Große wirtschaftliche Chancen für den Landkreis Bad Kissingen
Besondere Aufmerksamkeit widmete Fell den wirtschaftlichen Perspektiven für die Region. Anhand einer Modellrechnung für den Landkreis Bad Kissingen zeigte er, dass eine vollständige Versorgung mit erneuerbaren Energien nicht nur technisch möglich sei, sondern auch erhebliche wirtschaftliche Chancen eröffne.
Bei einem Ausbau über zehn Jahre wären nach dieser Modellrechnung durchschnittliche Investitionen von etwas mehr als 140 Millionen Euro jährlich erforderlich. Einschließlich verbleibender Brennstoffkosten bezifferte Fell die jährlichen Aufwendungen auf rund 190 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 lagen die jährlichen Energieausgaben im Landkreis bei rund 339 Millionen Euro.
Anhand erfolgreicher Beispiele aus anderen Regionen zeigte Fell, wie Kommunen durch erneuerbare Energien ihre regionale Wertschöpfung stärken, neue Einnahmequellen erschließen und die Abhängigkeit von Energieimporten verringern können.
Damit schloss sich der Kreis zu den Anfängen seines Engagements: Für Hans-Josef Fell ist die Energiewende bis heute weit mehr als eine Frage des Klimaschutzes. Sie ist zugleich ein Beitrag zu Frieden, sozialer Gerechtigkeit, wirtschaftlicher Entwicklung und regionaler Unabhängigkeit.
Hoffnung und Mut für die Zukunft: Ocean Farming
Mit seinem neuesten Projekt „Erdabkühlung mit Hilfe von vielfältigen Meeresalgenfarmen„ zeigte der Visionär eine Möglichkeit auf, das klimaschädliche CO2 wieder aus der Atmosphäre zu entnehmen, um die Folgen des Klimawandels ein Stück weit zu reduzieren. In wenigen Jahrzehnten sei es möglich, die aufgeheizte Erde so wieder abzukühlen. Weiter führte er aus, dass die geernteten Algen vielfältig einsetzbar wären, z.B. als Nahrung, als Düngemittel, als Baustoff, als Verpackungsmaterial und vieles mehr.
Damit zeigte sich eindrucksvoll, dass ein Visionär immer ein Visionär bleibt und es durchaus hoffnungsvolle Lösungsansätze für die Zukunft gibt. Bleibt abzuwarten, ob wir als Gesellschaft die Weitsicht, die Hartnäckigkeit und den Mut besitzen, weltweit an diesen Lösungen weiter zu forschen und sie Realität werden zu lassen.
Eine internationale Erfolgsgeschichte mit Wurzeln in der Region
Die Veranstaltung machte deutlich, wie eng die weltweite Entwicklung der erneuerbaren Energien mit dem Engagement einzelner Menschen und lokalen Initiativen verbunden ist. Was in Hammelburg und anderen Kommunen mit ersten Solaranlagen, gemeinschaftlichen Projekten und neuen Vergütungsmodellen begann, entwickelte sich zu einer Bewegung, die heute weltweit die Energieversorgung verändert.
Dass mehr als 100 Menschen, darunter zahlreiche langjährige Mitstreiterinnen und Mitstreiter, nach Bad Kissingen kamen, unterstrich die persönliche Verbundenheit mit Hans-Josef Fell und die Bedeutung seines Wirkens für die Region.
Die internationale Auszeichnung durch die AAAS würdigt damit nicht nur das Lebenswerk eines engagierten Energiepolitikers, sondern auch eine weltweite Entwicklung, deren Anfänge eng mit dem Landkreis Bad Kissingen verbunden sind.