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Aus dem Infobiref vom 16.3.2006

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

 

 

Zum Start des Films "Die Wolke" erklärt Hans-Josef Fell, Sprecher für

Energie:

 

Herr Minister Glos, wir fordern Sie auf: Schauen Sie sich den Film "Die Wolke" an - spielt er doch in ihrer Heimatregion Schweinfurt! Überzeugen Sie sich direkt in Tschernobyl, dass die im Film gezeigten Folgen einer Atomkatastrophe bereits Realität sind. Hören Sie endlich auf, von Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke zu reden!

 

Eine Atomkatastrophe ist in Deutschland solange möglich, bis das letzte Atomkraftwerk stillgelegt ist. Der Film "Die Wolke" zeigt, welche Folgen dies hätte. Es spricht für die Macher, dass sie darauf verzichten, massenhaften Tod von Menschen und Tieren bildlich darzustellen. Eine große Leistung des Films liegt darin, dass er auch der jüngeren Generation ermöglicht, an der historischen Tschernobyl-Erfahrung teilzuhaben. Die Folgen einer atomaren Strahlung, die nicht sinnlich erfahrbar ist, werden anhand von persönlichen Schicksalen dargestellt. Ein Atomunglück hätte in dem dicht bevölkerten Deutschland weitaus drastischere Folgen als in dem dünn besiedelten Tschernobyl-Gebiet.

 

Die Bedrohungslage hat seit Tschernobyl sogar drastisch zugenommen. Grund ist der internationale Terrorismus, der längst die Atomkraftwerke als potenzielle Anschlagsziele in seine Überlegungen einbezogen hat. Terrorangriffe können auf vielfältigen Wegen zu einem Supergau führen. Die Kraftwerksschutzhüllen sind meist gegen Flugzeugabstürze einer

kleinen Militärmaschine vom Typ Phantom ausgelegt. Einige ältere Reaktoren würden nicht einmal dem Stand halten. Große Passagierflugzeuge wiegen bis zu 27-mal so viel wie eine Phantom. Der Explosionswirkung eines solchen Szenarios würde weltweit kein Reaktor standhalten können.Auch Raketenangriffen wären AKWs hilflos ausgeliefert. Und das Eindringen von Terroristen auf Kraftwerksgelände ist ein realistisches Szenario, wie Greenpeace nach dem 11. September 2001 mehrfach belegen konnte. In einem südafrikanischen Atomreaktor wurde erst kürzlich bei einem ernstzunehmenden Störfall über Sabotage spekuliert. Es gibt vor einem Luftangriff keine wirksamen Schutzmaßnahmen. Die von den Betreibern vorgeschlagene Vernebelung von Atomkraftwerken ist eine politische Vernebelungstaktik, die über die Hilflosigkeit hinwegtäuschen soll.

 

Wir fordern die Bundesregierung auf, am gesellschaftlich vereinbarten Atomausstieg festzuhalten. Statt über längere Laufzeiten sollte die große Koaltion über ein schnelles Abschalten diskutieren.

 

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Hans Josef Fell